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Berliner Morgenpost

Pflicht-Befragung: Das wollen Behörden von Berlinern wissen

"Was verdienen Sie?", "Rauchen Sie?"- Die Daten für den Mikrozensus 2019 bilden eine wesentliche Grundlage für künftige Planungen. 18.000 Haushalte in Berlin und 12.000 in Brandenburg bekommen in den nächsten Wochen und Monaten Besuch eines Interviewers vom Amt für Statistik beider Länder.

18.000 Haushalte in Berlin und 12.000 in Brandenburg bekommen in den nächsten Wochen und Monaten Besuch eines Interviewers vom Amt für Statistik beider Länder. Sie sind ausgesucht, an der groß angelegten Erhebung für den Mikrozensus 2019 teilzunehmen. Zuerst werden die ausgewählten Bürger aber schriftlich über das Vorhaben informiert. Bundesweit werden mehr als 800.000 Menschen befragt, das entspricht einem Prozent der Gesamtbevölkerung.

Sie müssen angeben, wie viel sie verdienen, wer im Haushalt lebt, wie groß sie sind, ob sie rauchen, über welche Ausbildung sie verfügen, wie viele Stunden sie arbeiten, ob sie dabei unter Zeitdruck stehen, ob sie einen anderen Job suchen, warum sie ihre Arbeit gegebenenfalls verloren haben, ob Kinder in die Kita gehen, welche Sprache zu Hause gesprochen wird, welchen Krankenkassentarif sie nutzen, ob sie im Internet unterwegs sind, eine Rente beziehen und, und, und.

Der Fragebogen umfasst 76 Seiten. Die so gewonnenen Informationen, die in Berlin und Brandenburg 170 ehrenamtlich tätige „Erhebungsbeauftragte“ für das Amt zusammentragen, bilden eine wesentliche Grundlage für Planungen der Behörden und für politische Debatten: „Unsere Ergebnisse sind sehr nachgefragt von Wissenschaftlern, Verwaltungen, Politik und Medien“, sagte Ricarda Nauenburg, Referatsleiterin Mikrozensus beim Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Viele politische Entscheidungen würden auf Resultaten des Mikrozensus gründen. Sie fließen wesentlich in die Berichte zur sozialen Situation, zum Stand der Integration oder zur Lage der Geschlechter ein. Es werde streng darauf geachtet, Antworten und Adressen sobald wie möglich sauber zu trennen, um den Datenschutz zu gewährleisten, so die Referatsleiterin weiter.

Aufschlussreiche Erkenntnisse aus gigantischer Datenmenge

Die Datenmenge ist gigantisch, die Erkenntnisse umfangreich. So lernte man aus dem jüngsten Mikrozensus 2017, dass das monatliche Haushaltsnettoeinkommen in Berlin auf rekordverdächtige 2025 Euro gestiegen ist. Oder dass in 1,05 Millionen der zwei Millionen Berliner Haushalte nur eine Person lebt. Oder dass in Tempelhof-Schöneberg 31.100 geschiedene Männer leben. Der Mikrozensus ist die wichtigste Ermittlung von Haushalts- und Familienstrukturen und der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Bevölkerung in Deutschland.

Die Teilnahme ist verpflichtend. Wer sich weigert, dem wird ein Zwangsgeld angedroht, das auch vollstreckt wird. Oft kommt das aber nicht vor. Im Amt für Statistik ist von rund 200 Fällen pro Jahr die Rede. „Wir haben ein hohes Interesse daran, ein gutes Einvernehmen mit den Bürgern zu finden“, sagte Nauenburg. Man habe nichts erreicht, wenn die Menschen den Sinn der statistischen Erhebung nicht sehen. Doch nicht immer gelingt das. So gab der Mann, der im Dezember 2017 mit seinem Auto in die Zentrale der SPD in Kreuzberg fuhr, als Motiv an, er fühle sich durch die obligatorische Teilnahme am Mikrozensus drangsaliert.

Die Linke sieht das Prozedere skeptisch, obwohl sie die Sammlung von Daten grundsätzlich befürwortet: „Wir sehen die Auskunftspflicht und die Androhung von Sanktionen kritisch“, sagte der Innenexperte der Berliner Linksfraktion, Niklas Schrader. Die Linke sei auch der Ansicht, dass man die Daten nicht in derartig engen Abständen erheben müsse.

Der Aufwand ist beträchtlich. Die Interviewer dürfen nicht einfach ein Haus weiterziehen, wenn sie niemanden antreffen, die Menschen auch telefonisch nicht mitmachen und auch den Fragebogen nicht selbst ausfüllen möchten. Diese Strenge begründet sich in der statistischen Systematik, die repräsentative Ergebnisse sichern soll. Aus den Daten des Zensus 2011, als jedes Gebäude gezählt wurde, haben die Statistiker eine Stichprobe gebildet, die 20 Prozent aller Adressen umfasst. Aus dieser Menge werden nach dem Zufallsprinzip die ein Prozent herausgefiltert, die jährlich befragt werden. Einfach jemand anderen zu befragen, würde die Werte verfälschen.
 

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