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Berliner Morgenpost

Medizinisches Cannabis: Land Berlin soll Cannabis anbauen

Die Grünen wollen die legale Produktion für medizinische Zwecke auf landeseigenen Flächen ermöglichen und fördern. Das Land Berlin soll den Weg zum Anbau von Cannabis auf landeseigenen Flächen frei machen. Das sehen Pläne der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus vor.

Das Land Berlin soll den Weg zum Anbau von Cannabis auf landeseigenen Flächen frei machen. Das sehen Pläne der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus vor. „Cannabis soll in Berlin zu medizinischen Zwecken angebaut werden“, sagte die Gesundheitsexpertin der Fraktion, Catherina Pieroth, am Mittwoch.

Der legale Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken ist seit zwei Jahren möglich. Derzeit läuft auf Bundesebene die Ausschreibung zur Vergabe der Anbaulizenzen, die im Frühjahr erfolgen soll. Mehr als 70 Unternehmen sollen sich um eine entsprechende Lizenz beworben haben.

Nach der Vorstellung der Grünen soll der Senat landeseigene Flächen in Berlin oder auf den Stadtgütern in Brandenburg zur Verfügung stellen, auf denen lizenzierte Unternehmen in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen Cannabis anbauen können. Dazu sollen sie neben den Flächen auch eine Anschubfinanzierung erhalten, um die notwendigen Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen leisten zu können.

Cannabis vor allem für Schmerzpatienten genutzt

Cannabis wird in der Medizin vor allem für Schmerzpatienten genutzt. Allein in den ersten beiden Jahren erhöhte sich die Menge des ärztlich verschriebenen Cannabis stark. Erhielten 2017 deutschlandweit 27.000 Patienten Cannabis, waren es im vergangenen Jahr bereits 95.000 Patienten. „Das entspricht einer Verdreifachung in einem Jahr und zeigt den Bedarf“, sagte Pieroth.

In Deutschland wird derzeit noch kein Cannabis legal angebaut. Deswegen wird der Schmerz stillende Wirkstoff aus Kanada und den Niederlanden importiert, insgesamt zwei Tonnen allein im vergangenen Jahr. Das ist aus Sicht der Grünen nicht notwendig. Die Kosten des Transports würden auf den Preis aufgeschlagen und die Gesundheitskosten erhöhen. Bei der Versorgung der Patienten komme es zudem häufig zu Engpässen. „In Deutschland bekommt man schneller Morphium als Cannabis, das ist unhaltbar“, sagte Fraktionschefin Silke Gebel.

Als mögliche Anbaugebiete kommen nach Auffassung der Grünen Grünflächen in Buch in Frage – in unmittelbarer Nähe des Gesundheitsstandortes mit den Helioskliniken und dem Max Delbrück Centrum. Aber auch die Hangars des Flughafens Tempelhof könnten genutzt werden.

Linke: "Ein Vorschlag, den man diskutieren kann"

Bei den Linken stößt der Vorschlag des Koalitionspartners auf offene Ohren. „Das ist ein Vorschlag, den man diskutieren kann“, sagt der Cannabis-Experte der Fraktion, Niklas Schrader. „Es bringt ja nichts, alles zu importieren.“ Die SPD zeigte sich zurückhaltender. Wenn die Grünen Ideen hätten, die über den Koalitionsvertrag hinaus hingingen, müssten sie das in der Koalition besprechen, sagte Gesundheitsexperte Thomas Isenberg.

Der Vorstoß der Grünen reiht sich in einen ganzen Kanon an Vorschlägen zur Entkriminalisierung von Drogen und deren Konsumenten ein. „Verbote führen nicht zum Erfolg“, sagte Fraktionschefin Gebel. „Sie führen zu mehr Drogenkriminalität.“ Deshalb soll ein Modellprojekt zur kontrollierten Abgabe von Cannabis noch in dieser Legislatur auf den Weg gebracht werden.

Während die CDU den kontrollierten Anbau für medizinische Zwecke in einem „strengen und engen Rahmen“ grundsätzlich unterstützt, lehnen FDP und AfD die Pläne ab. Berlin brauche kein landeseigenes Cannabisunternehmen, kritisierte FDP-Gesundheitsexperte Florian Kluckert.
 

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